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Verpasst Deutschland den Anschluss?

15. November 1999 – Thomas Ebermann und Rainer Trampert im Mundschenk

Die von uns im Frühjahr begonnene Reihe »texte wider den zeitgeist« , in der bisher Gerhard Henschel, Franz Dobler und Hermann L. Gremliza aufgetreten sind, findet nun eine Fortsetzung: Am Montag, 15. November 1999, präsentieren ab 20 Uhr Thomas Ebermann und Rainer Trampert im Mundschenk die literarischen Früchte ihrer jüngsten geistigen Arbeit. Kurz zu den Personen: Beide, Ebermann und Trampert, gehörten zum »politischen Urgestein« der Linken im Allgemeinen und der Grünen im Besonderen, beide waren beliebte Objekte des damals in Mode gewesenen »Fundi-bashing« und beide zogen schon Mitte der 80er Jahre die Konsequenz ihrer Wahrnehmungen und Erfahrungen in der »alternativen« Partei. Das heißt, sie traten aus, da sie den Versuch, die Grünen als progressiv gesellschaftsveränderndes, als linkes Projekt zu nutzen, für gescheitert erachteten. »Innerhalb der Grünen herrschen strukturelle konservative Mehrheiten«, konstatierte Ebermann schon damals.

Seit dieser Zeit hat sich das Duo Ebermann/Trampert einen hervorragenden Ruf als Vertreter eines gnadenlos-kritischen politischen Journalismus, gespickt mit Polemik und Satire der bösartigsten, also besten Sorte, erschrieben. Ihrem Beruf gehen sie als freie Journalisten nach, ihre Arbeiten erscheinen in konkret, Zeit, jungle world und diversen anderen Blättern. Ein Buch ist bislang aus ihrer Zusammenarbeit entstanden: »Die Offenbarung der Propheten«, in dem sie mit allem, was unter dem Begriff »links« gehandelt wird, grundlegend abrechnen, so daß von dieser Linken nur noch wenig von ihnen ernst genommenes übrigbleibt. Zudem liefern sie in der »Offenbarung« eine tiefgreifende Gesellschaftsanalyse unter ökonomischen und massen- sowie individualpsychologischen Gesichtspunkten; das Ergebnis ist auch in diesem Bereich ein wenig erbauliches. Auch wenn die Gesinnung der Beiden nicht dem Geschmack der »bürgerlichen« Zeitungen entspricht, geizten diese nicht mit anerkennenden Kommentaren zu diesem Buch.

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