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»Der letzte linke Student«

02. Februar 2008 – Jörg Sundermeier las aus seiner Kolumne und seinem Buch

Links zu sein, ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. Denn um nicht rechts zu sein, muss man auch im Alltag links sein. Und da stößt der letzte linke Student schon mal auf seine Grenzen. Über diesen und andere Gedanken des besagten letzten linken Student ging es an diesem Wochenende im Jugendclub Bureau. Der Journalist Jörg Sundermeier war der Einladung von Jugendbeirat und Jugendclub Bureau gefolgt und las aus seiner in der linken Wochenzeitung »Jungle World« erscheinenden Kolumne »Der letzte linke Student«. Dieser Student ist ein naiver Linker, der sich für einen gnadenlosen Analytiker hält, jedoch durch seinen unbändigen Aktivismus und seine immense Eitelkeit immer zu falschen Schlüssen und zur Selbstglorifizierung verleitet wird. So kommt der kühle Denker, für den er sich hält, zu dem Schluss, dass das Kreisdenken wohl eine von der Biologie her logische Naturnotwendigkeit sein müsse, denn immerhin sei ja auch der Kopf rund. Beim Sinnieren über Elvis Presley fällt ihm auf, dass dieser Rockmusik mache, die bekannter Weise Revolutionsmusik ist, während bei Beethoven schlecht der Umsturz zu machen ist. Da der King of Rock’n’Roll allerdings als tot gilt, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Revolution noch nicht da ist. Sundermeier gelingt es, mit dem Denken und Handeln des letzten linken Studenten, Kurzschlüsse und Fehlleistungen der Linken mit viel Ironie vor Augen zu führen und zu reflektieren.

Anstatt eine Botschaft zu vermitteln, fordern die Texte von den Lesern eine eigenen Analyse sowie ein eigenes Urteil. Insofern bietet das Buch Aufklärung im besten Sinne, weil es Denkfehler aufspürt, zum Entschlüsseln dieser anregt und dabei sogar noch unterhält. Aber natürlich darf am Ende eines anstrengenden Gedankens des letzten linken Studenten der aufmunternde Spruch zum nicht Aufgeben nicht fehlen. Demzufolge: Auch wir sollten uns ausruhen und der roten Sonne beim Aufgehen zusehen.

Mehr zum Autor Jörg Sundermeier
Geboren 1970 in Verl bei Gütersloh. Lebt seit 1996 in Berlin. // Seit 1992 freie Mitarbeit u.a. bei Jungle World, taz, Intro, Freitag, De:Bug, fluter.de, Berliner Zeitung // Seit 1998 Kolumnist der Tageszeitung taz, seit 2006 Kolumnist der Berliner Zeitung.
1995 Mitbegründer des Verbrecher Verlags, Berlin, dort heute Programmleiter und Herausgeber und Mitherausgeber diverser Anthologien // Seit 1992 diverse literarische Beiträge und Aufsätze in Anthologien. Zuletzt: »Was wir uns erlauben« in Gunther Nickel (Hrsg.): »Krise des Lektorats?«, Wallstein Verlag, Göttingen 2006 // 2004 erschien die Kolumnensammlung »Der letzte linke Student« im Alibri Verlag, Aschaffenburg.

Mehr zum Verlag »Verbrecher Verlag«
www.verbrecherei.de

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