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Juden und Vertriebene nicht gleichstellen

27. März 2001 – Samuel Salzborn rechnet bei der Gruppe ZAK im »Mundschenk« mit den Vertriebenen-Verbänden ab

Sulzbach-Rosenberg. (bt) Die Politik der Vertriebenenverbände sei darauf ausgerichtet, die europäische Nachkriegsordnung umzukehren, stellte Samuel Salzborn bei einer Veranstaltung der Gruppe ZAK im Rahmen des »Bündnisses gegen Rechts« fest. Er ist bei der Zeitschrift »Die rechte Hand« in Hannover tätig. 

Im Wesentlichen handle es sich bei dieser Umkehrung um die Nichtanerkennung des Potsdamer Abkommens. Darin sei die Umsiedlungen von Deutschen nach 1945 festgeschrieben worden, erinnerte der Referent bei
der Veranstaltung im Gasthaus »Mundschenk«. 

Dieser Zielsetzung diene der Versuch, die Vertriebenen auf eine Stufe mit den Millionen ermordeter Juden zu stellen und sie, die Vertriebenen, ausschließlich als Opfer zu sehen. In diesem Sinne soll nach Auffassung der
Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen als zentrale Informations-, Dokumentations-, Archiv- und Begegnungsstätte entstehen. Als Begründung werde angeführt, dass im Grunde genommen, sich die Themen Juden und Vertriebene ergänzen. Der entmenschte Rassenwahn, hier wie dort, solle Thema in diesem Zentrum sein. 

Die Juden, so Erika Steinbach in einem Interview in der Leipziger Volkszeitung, seien letzten Endes in der ersten Phase auch Vertreibungsopfer gewesen. Unerwähnt habe die BdV-Präsidentin gelassen, dass die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung völkerrechtlich im Potsdamer Abkommen von den Alliierten USA, England, Frankreich und der Sowjetunion festgelegt wurde und dass keineswegs von »Rassenwahn« gesprochen
werden könne, hob der Referent hervor. Die Umsiedlung sei nicht aus rassistischen, sondern aus antifaschistischen Gründen erfolgt. So sollte das Konfliktpotential in Osteuropa verringert werden. 

Hintergrund sei gewesen, dass die deutschen Minderheiten während des Nationalsozialismus in osteuropäischen Ländern soziale und politische Konflikte geschürt hätten. Dies habe die Basis für die Zerstörung der
osteuropäischen Nationalstaaten gestellt und sei letztlich ein zentraler Aspekt bei der Vorbereitung und Umsetzung der deutschen Eroberungs- und Vernichtungspolitik gewesen, hob Salzborn hervor. Das dieses Vorhaben in Osteuropa nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen sei und stattdessen Besorgnis ausgelöst habe, verstehe sich von selbst. 

Unter Hinweis auf die Charta der Heimatvertriebenen aus dem Jahre 1950, behaupten der Bund der Vertriebenen und die angeschlossenen Verbände, dass sie auf Gewalt verzichten und zur Versöhnung mit den Völkern bereit seien, von denen sie vertrieben wurden. »Damit wird Ursache und Wirkung bewusst auf den Kopf gestellt. Denn nicht die osteuropäischen Länder sind für das, was nach der Befreiung vom Faschismus passierte, verantwortlich, sondern diejenigen, die die Nazis bei ihrer Politik unterstützt haben.« 

Zur historischen Wahrheit gehöre nun mal, dass bei einem Großteil der deutschen Minderheiten, wie die Wahlen in der Tschecheslowakei zeigten, die Politik der Nationalisten einer breiten Unterstützung sicher sein konnte. 

»Doch davon wollen die Vertriebenenverbände nichts wissen, getreu dem Motto: was während des 3. Reiches passierte, dafür können wir nichts. Solange diese Organisationen aber nicht bereit sind, Verantwortung für das Leid mit zu übernehmen, das anderen Völkern durch den Naziterror angetan wurde, und die Konsequenzen zu akzeptieren, zu denen auch die Umsiedlungen nach 1945 gehören, kann der ausgesprochene Gewaltverzicht nur als taktisch betrachtet werden«, kritisierte Salzborn.

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