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Antisemitismus, Philosemitismus, Israelsolidarität

18. November 2008 – Vortrag von Stephan Grigat

Die anfängliche Kritik an einem linken Antisemitismus, welche die Kritik an den vorherrschenden Ausprägungen linker Israelfeindschaft implizierte, wurde sowohl in Teilen der politischen als auch der akademischen Linken begrüßt und aufgegriffen. Die aus dieser Kritik resultierende Parteinahme für den israelischen Staat stieß jedoch auf schroffe Ablehnung. Insbesondere seit Beginn der so genannten Al-Aqsa-Intifada ist diese Parteinahme mit dem Vorwurf des Philosemitismus konfrontiert. Die Solidarität mit Israel resultiere nicht aus einer Auseinandersetzung mit dem realen Konflikt im Nahen Osten, sondern aus einer ›Überidentifikation‹ mit Juden und Jüdinnen sowie aus der ›Projektion‹ links-deutscher Befindlichkeiten auf Israel.
Der Vortrag fragt, wie eine sich selbst als staats- und kapitalismuskritisch verstehende Solidarität mit Israel argumentiert: Lässt sich diese Solidarität als Resultat der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie ausweisen, die für die ideologiekritische Linke einen zentralen Bezugspunkt darstellt?

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, Autor von »Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus«, Mitherausgeber von »Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer« und gehört zu der Gruppe Café Critique (www.cafecritique.priv.at).

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