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Tennesssee Eisenberg

14. April 2010 – Infoveranstaltung: Don't kill our students

Fast ein Jahr später scheint alles immer noch ziemlich unklar! Bis auf eines, den Verlierer. Drei Polizisten, drei Waffen, zwölf Schüsse – gegen ein Messser. Das Ergebnis: ein Toter! 
Die Veranstaltung soll die Hintergründe im Fall Tennessee Eisenberg aufzeigen und 
erklären, wie es zu so viel Polizeigewalt kommt und warum der Staat mit der Angelegenheit so verfahren kann, wie er es tut.

Bald ein Jahr ist es her seit der Student Tennessee Eisenberg bei einem Polizeieinsatz in Regensburg erschossen wurde. Im Dezember stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die beiden Schützen ein. Am 25. Februar haben die Rechtsanwälte der Familie ihre Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft begründet.

Eisenberg wurde bei einem Polizeieinsatz am 30. April 2009 erschossen. Zwei Polizeibeamte feuerten dabei insgesamt 16 Mal auf Eisenberg. Zwölf Schüsse trafen. Zuvor hatte Eisenberg seinen Mitbewohner mit einem Messer bedroht. Der konnte flüchten und informierte die Polizei. Kurz darauf war Eisenberg tot.

Der Jahrestag des gewaltsamen Todes von Tennessee Eisenberg, der am 30. April durch zwölf Polizeikugeln sein Leben lassen musste, rückt immer näher. Noch immer hält die Staatsanwaltschaft schützend ihre Hand über den Todesschützen und stuft die Gewalttat als »Nothilfe« ein – obwohl sie es nach Überzeugung der Familienanwälte Thomas Tesseraux, Andreas Tronicsek und Helmut von Kietzell spätestens seit der Tatrekonstruktion besser weiß. Die Tatrekonstruktion selbst fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ihr ist es auch verwehrt, Einblick in die mehr als eineinhalbstündige Videoaufzeichnung und in die Ermittlungsakten zu nehmen.

Laut einem Gutachten war der 24jährige bereits von acht Kugeln getroffen worden – unter anderem im Knie, im Oberarm und in der Lunge – als ein Polizist vom Eingangsbereich des Hauses aus noch vier Mal schoss. Dabei erlitt Eisenberg unter anderem einen Treffer ins Herz. Das Gutachten liegt der Staatsanwaltschaft Regensburg vor.

Durch die schleppende Art und Weise, mit der der Tod Tennessees von Polizei und Staatsanwaltschaft bearbeitet wurde und auf welche Weise die Ermittlungen eingestellt wurden, entsteht der Eindruck, dass sich ermittelnde Behörden möglicherweise selbst entlasten möchten, möglicherweise auch politisch motivierte Vorgaben eine Rolle spielen könnten.

Wie kann das sein, dass ein völlig überdimensionierter Polizeieinsatz tödliche Folgen haben kann, und die Aufarbeitung der Sache über Monate hinweg von immer mehr Unklarheiten geprägt ist.
Warum schafft der Staat mit Polizei und Justiz ein so undurchdringbares Geflecht? Ist die Polizei zu abgeschottet und mächtig? Auf einige diese Fragen will die Veranstaltung am Beispiel von Tennessee Eisenberg Antworten geben.

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