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»Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht?«

17. November 2001 – Klaus Bittermann und Fritz Tietz lesen im »Mundschenk«

Sulzbach-Rosenberg. (vb) Zwar geraten die Abstände zwischen den Veranstaltungen der Reihe »texte wider den zeitgeist«, die vom Jugendclub Bureau und der Gruppe ZAK im Mundschenk in Sulzbach-Rosenberg seit über zwei Jahren organisiert wird, zuweilen etwas groß. Wenn aber nach einer längeren Pause die Reihe mit einer Lesung von Klaus Bittermann fortgesetzt wird, was am 17. November ab 20 Uhr geschehen soll, weiß man, daß sich das Warten gelohnt hat. Der rücksichtslose Polemiker Bittermann wird an diesem Abend begleitet von Fritz Tietz, der zwischen den Texten einige seiner Kurzfilme beisteuern wird.

Wer ist Klaus Bittermann? Aktuell ist er Herausgeber, Verleger und Mit-Autor des aktuellen Jahrbuchs »Who’s who peinlicher Personen«. Aus diesem wird Bittermann im Mundschenk auch hauptsächlich lesen. Das Motto des Buches und der Lesung läßt an Deutlichkeit nichts vermissen: »Warum sachlich, wenn’s persönlich auch geht«. Mit dieser Vorgabe knöpft sich Bittermann zielsicher die nervtötendsten Gestalten des Medien-, Kultur- und Politbetriebs heraus, um gegen sie zu polemisieren, sie zu kritisieren, bloßzustellen, der wohlverdienten Lächerlichkeit preiszugeben. All dies aber mit der durchaus humanistischen und aufklärerischen Absicht, daß sie dadurch endlich, endlich zur Ruhe gebracht werden, aber auch mit dem realitätsgerechten Pessimismus, daß dies leider nicht gelingen wird. Doch hat man dann wenigstens dennoch ausgiebig lachen können und erträgt den ganzen Mutantenstadl vielleicht wieder ein bißchen besser, wenn man den Fernseher anschaltet.

Mit seiner Verleger- und Herausgebertätigkeit hat der gebürtige Kulmbacher, der aber seit gut zwanzig Jahren in Berlin lebt, sich durch seinen Ein-Mann-Betrieb »Edition Tiamat« unschätzbare und z.B. erst jüngst wieder von der Süddeutschen Zeitung anerkannte Verdienste erarbeitet. »Meine Regierung. Rotgrün zwischen Mittelmaß und Wahn«, »It’s a Zoni. Die Ossis zwischen Selbstmitleid und Barbarei« oder »Geisterfahrer der Einheit« erweisen ihn als eine der wenigen scharfen Stimmen gegen Opportunismus, völkischen Wahn und Nationshudelei. Radikale Gesellschafts- und Kulturkritik finden bei ihm den Platz, der ihnen bei den anderen Verlagen nicht eingeräumt wird: Hannah Arendt, Eckhard Henscheid, Georg Seeßlen, Wolfgang Pohrt, Wiglaf Droste seien stellvertretend für viele andere ›seiner‹ Autoren genannt.

Klaus Tietz veröffentlicht seine Texte ebenfalls in der »Edition Tiamat«, aber auch in der taz, in konkret oder Titanic. Seine Kurzfilme wiederum sind beispielsweise im WDR oder NDR zu sehen und zu beschreiben als skurril, witzig aber auch lehrreich. So wie sein Buch »Die Kunst einen Papst zu erlegen. Aufzeichnungen aus dem Giftschrank«.

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