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Enough is Enough – Nachbericht

27. September 2010 – Artikel von www.regensburg-digital.de

Demo überreicht Gedenktafel

Den ganzen Artikel, mit Bildern, findet ihr direkt bei www.regensbrug-digital.de:
http://www.regensburg-digital.de/demo-uberreicht-gedenktafel/27092010/

 

Seit Samstag gibt es sie – eine Gedenktafel für Klaus Peter Beer am Vilssteg in Amberg. Bei einer Demonstration der verdi-Jugend, an der rund 250 Menschen teilnahmen, übergab der Bezirksvorsitzende Manfred Hellwig die Tafel symbolisch an die Stadt. Es ist die erste sichtbare Erinnerung an Beer, der hier vor 15 Jahren von zwei Neonazis umgebracht wurde. Fragt sich, ob die Tafel lange am Vilssteg bleiben wird: Bereits am Samstag versuchten rund 40 Neonazis die Übergabe zu stören und die Demo anzugreifen. Die Polizei ging dazwischen und verhinderte eine direkte Konfrontation, ein Vorfall, der im offiziellen Polizeibericht keine Erwähnung findet.

Nur wenige hundert Meter weiter versammelte sich die Gruppe, ein Sammelsurium aus autonomen Nationalisten und NPD-Mitgliedern, anschließend in unmittelbarer Nähe der Demoroute vor dem Pilspub 500, einer stadtbekannten Rechtsrockkneipe (Foto). Die Polizei ging mit Bereitschafts- und USK-Einsatzkräften dazwischen, drängte die Neonazis in den Innenhof des Pilspubs zurück und verhinderte – mit Schlagstockeinsatz – Ausbruchsversuche einzelner Demonstrationsteilnehmer. Es flogen Feuerzeuge, Kastanien, Eier und ein Feuerwerkskörper. Ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt, ein älterer Mann aus Reihen der Rechtsradikalen erlitt einen Kreislaufkollaps; er hatte bereits zuvor versucht, die Übergabe der Gedenktafel zu stören. Der Rest der Demonstration, die nahezu ununterbrochen von der Polizei gefilmt wurde, verlief friedlich.

Bei der Abschlusskundgebung am Marktplatz kritisierte der Bezirksvorsitzende der verdi-Jugend Stefan Dietl erneut die in Amberg praktizierte „Politik des Verdrängens und Ignorierens“. Das gelte sowohl für die Gegenwart, wie für die Vergangenheit. Während man aktuell die Existenz einer rechtsradikalen Szene in Amberg leugne – entsprechende Aussagen gibt es von Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer –, setze man sich auch nicht offen mit der NS-Vergangenheit von Amberg auseinander.

Als Beispiel nennt Dietl das unkommentierte Porträt von Josef Filbig im Amberger Rathaus. Von 1933 bis 45 war Filbig Bürgermeister und Statthalter der NSDAP in Amberg, 1952 wurde er erneut zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt, damals für die Rechtsaußen-Partei »Deutsche Gemeinschaft«. »Die Faschisten nutzen diese Ignoranz und bauen ihre Strukturen immer weiter aus«, so Dietl. Eine Meinung, mit der er nicht allein ist. Das Bürgerforum Gräfenberg, für sein Engagement gegen Rechtsextremismus mehrfach ausgezeichnet, unterstützte die Demonstration ebenso mit einer Solidaritätsnote wie der Zusammenschluss »Nordbayerische Bündnisse gegen Rechts«. »Biedermännisches Ignorieren und Wegschauen bringt nichts«, heißt es darin. »Wenn alle Kommunen so wie Amberg schweigen würden, würde sich der Rechtsextremismus deshalb nicht in Luft auflösen.«

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