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Enough is Enough – Nachbericht

27. September 2010 – Artikel aus der Amberger Zeitung

Demo im »ruhigen« Hinterland
Verdi-Jugend macht gegen rechtsradikale Tendenzen mobil – Gedenktafel für Klaus Peter Beer

Die online Ausgabe des Artikels aus der Amberger Zeitung findet ihr hier:
http://www.oberpfalznetz.de/boxx/2510917-328-demo_im_ruhigen_hinterland,1,0.html

 

Von Andreas Ascherl

Amberg. Es waren wohl ein paar hundert Menschen, die sich am Samstag in Amberg trafen, um gegen die »Politik des Ignorierensq rechtsradikaler Tendenzen in der Stadt zu demonstrieren. Das geschah weitgehend friedlich. Nur beim Zusammentreffen der Demo und rechter Aktionsgruppen in Höhe der Kugelbühlstraße musste die Polizei eingreifen, um einen Gewaltaus- bruch zu verhindern.

Aufgerufen zu der Demo hatte die Verdi-Jugend. Unter dem Motto »Enough is Enough« wollten die jungen Gewerkschafter auf die ihrer Meinung nach vorhandene Tendenz hinweisen, rechte Gruppen und Aktionen in der Stadt zu dulden. Zudem sollte des Todes von Klaus Peter Beer gedacht werden, den im Jahr 1995 zwei Neonazis bewusstlos schlugen und anschließend in die Vils warfen, wo er ertrank.

Vom Paulanerplatz aus ging der Zug unter lauten Parolen (»Amberg, Amberg, Nazi-Stadt, wir haben dich zum Kotzen satt«) über den Kreisverkehr und den Bahnhof zunächst zum Vilssteg, an dem Verdi-Bezirksvorsitzender Manfred Helbig und der Bezirksvorsitzende der Verdi-Jugend, Stefan Dietl, symbolisch eine Gedenktafel für Klaus Peter Beer »übergaben«. Die Polizei, die mit starken Kräften angetreten war, hatte bis zu

diesem Zeitpunkt kaum zu tun. Nur vereinzelt hatten Mitglieder des mitmarschierenden schwarzen Blocks die Beamten provoziert, Manfred Helbig war daraufhin ordnend und mäßigend eingeschritten. Während die Demonstranten an der Vils standen, drängte die Bereitschaftspolizei eine Gruppe Rechter zurück, die sich bis zum Max-Denkmal im Englischen Garten vorgearbeitet hatte.

Deeskalation war angesagt, beide Gruppen sollten möglichst nicht aufeinander treffen. Aus diesem Grund war in Höhe der Kugelbühlstraße eine Reihe von Polizeifahrzeugen aufgestellt, um den Sichtkontakt der beiden Gruppen möglichst zu unterbinden. Was zum Ärger von Einsatzleiter Robert Hausmann, dem Leiter der Amberger Polizeiinspektion, nicht vollständig gelang.

Lautstark machte sich der rechte Block bemerkbar, aus der Demonstration flogen Eier und Knallkörper. Ein Polizist wurde von einem Feuerzeug unter dem Auge getroffen, einer bekam ein Ei auf seine Uniform. Erst als es gelang, die rechte Gruppe in einen Innenhof an der Kugelbühlstraße zu drängen, ging die Demo wie geplant weiter über den Malteserplatz und die Fußgängerzone zur Abschlusskundgebung am Marktplatz. Hier bekräftigte Stefan Dietl noch einmal: »Regelmäßig finden Flugblattverteilungen und Infostände der Nazikameradschaft Nationale Sozialisten Amberg statt.« Ebenso regelmäßig würden in einer Amberger Nazikneipe Konzerte mit bis zu 200 Gästen stattfinden, die einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Naziszene in ganz Süddeutschland leisten würden. »Es gibt kein ruhiges Hinterland – weder in Amberg noch anderswo«, sagte Dietl.

Entgegen aller politischen Behauptungen existiere in der Stadt eben doch eine rechtsradikale Szene. »Wir werden uns der Politik des Verdrängens und Ignorierens der Stadt Amberg entgegen stellen«, so Dietl.

 

ANGEMERKT

Bitte nicht wegschauen

Von Andreas Ascherl 

Natürlich hat die Stadt Amberg kein rechtes »Problem«. Hier wie anderswo laufen nur wenige Menschen den tumben Parolen rechter Hetzer nach, die die Freiheit der Demokratie dazu nutzen wollen, um eben diese abzuschaffen. Aber Amberg hat durchaus ein Problem mit Rechtsradikalen. Nach einem ersten Höhepunkt in den 90er Jahren mit zahlreichen rechten Gewalttaten, zeigen die Neonazis nach einer Zeit der Ruhe nun wieder beängstigend Flagge.

Versteckten sie sich in den vergangenen Jahren hinter einer bürgerlicher gewordenen Fassade und trafen sich allenfalls in schwummeligen Kellerkneipen zum Austausch ihres kruden Weltbildes, so treten sie in letzter Zeit vermehrt öffentlich auf. Infostände, Saalveranstaltungen und Konzerte rechter Gruppierungen lassen aufhorchen und wachsam sein. Dass die Neonazis am Samstag gar eine stattliche Gruppe von Gegendemonstranten auf die Straße brachten, lässt nichts Gutes ahnen.

Die Stadt Amberg ist keine Nazi-Stadt, wie behauptet. Doch sollten die Verantwortlichen hier ganz genau hinsehen und aufpassen, dass sich die rechte Szene nicht einnistet. Denn sehr schnell kann aus passiver Duldung aktive Schuld werden.

 

HINTERGURND

Polizei spricht von 250 Teilnehmern

Amberg. (ass) Nach Angaben der Polizei waren es rund 250 Menschen, die sich am Samstag an der Demonstration der Verdi-Jugend Oberpfalz beteiligten. Die Veranstaltung wurde von der Polizeiinspektion Amberg betreut. Aufgabe der Polizei sei es gewesen, so heißt es in der offiziellen Mitteilung, einen störungsfreien Verlauf der Versammlung zu gewährleisten, was auch weitestgehend sichergestellt werden konnte. Lediglich ein kritisches Szenario habe sich abgezeichnet, als der Aufzug, der sich zu dieser Zeit auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring, Höhe Kugelbühlstraße, bewegte, auf eine kleine Gruppe von Personen des rechten Spektrums traf.

»Den Polizeikräften gelang es an dieser Stelle, ein Aufeinandertreffen beider Gruppierungen zu verhindern und die Versammlungsteilnehmer zur Fortsetzung des Aufzuges zu bewegen.« Bei der Aktion wurde ein Beamter durch den Wurf eines Feuerzeuges leicht verletzt. Eier und ein Feuerwerkskörper richteten keinen Schaden an.

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