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"Zinsen, Zocker, Zionisten“ - zum reaktionären Weltbild des regressiven Antikapitalismus.

10. April 2012 – Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Geht es gegen „Banken und Finanzmärkte”, findet sich manch vermeintlich
radikaleR KapitalismuskritikerIn in trauter Eintracht mit
Finanzminister, Fernseher und Frau Meier. Alle miteinander halten sie
„die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen“ für die
Verursacher der Krise. Wer das kapitalistische Prinzip in “produktives
Kapital” und “Finanzkapital” aufspaltet, landet zwangsläufig bei der
Dämonisierung von Zirkulationssphäre und Finanzsektor. Eine alte
Krankheit der Linken. Schon Lenins Imperialismustheorie und Dimitroffs
Faschismusdefinition waren davon infiziert. Während Marx, für den
Proletarier kein Vaterland hatten, von der freien Assoziation der
Individuen träumte, feiern in der Linken „Völker“ fröhliche Urständ -
als eingebildete revolutionäre Antipoden des Finanzkapitals. Als ob es
Auschwitz nicht gegeben habe, lebt eine vermeintlich radikale Linke
weiterhin im ideologischen Korsett der 20er und 30er Jahre des
vergangenen Jahrhunderts. Blind dafür, was der Wahn vom „Kampf der
ehrlich Arbeitenden“ gegen die „Gierigen, die die Völker aussaugen“
angerichtet hat, kämpft sie gegen „Bankster und Spekulanten“ und übt
sich im Schulterschluss mit den reaktionärsten und menschenfeindlichsten
Ideologien und Regimen der Welt. Der Referent zeigt Grundzüge einer
nicht-regressiven, reflektierten Kapitalismuskritik als Bedingung
gelingender Emanzipation auf.

Lothar Galow-Bergemann war langjähriger freigestellter Personalrat im
Klinikum Stuttgart und schreibt u.a. in konkret, jungle world, iz3w und
bei www.emanzipationundfrieden.de

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