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Fußball und Homophobie (19:30h)/ Fußball und Nationalismus (20:30h)

05. Juni 2012 – Valin und Feuerherdt klären auf und kritisieren

Kurz vor EM-Beginn zwei Veranstaltungen zum Thema Fußball an einem Abend:

 

Vortrag 1 (19:30h):

Die letzte Bastion der Heteros – Schwulenhass im Fußball
Vortrag & Diskussion mit Alex Feuerherdt

Der (Männer-)Fußball ist eines der letzten heterosexuellen Milieus. Während sich nicht nur Politiker, sondern auch Moderatorinnen, Schauspieler oder Modeschöpfer in den letzten Jahren zu ihrer Homosexualität bekannt haben, ist die Profikickerei in dieser Beziehung ganz offensichtlich kein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern "viel archaischer“, wie Philipp Lahm einmal in einem Interview mit dem schwulen Lifestyle-Magazin Front befand.

Immer noch gilt es – nicht nur hierzulande – als nahezu undenkbar, dass ein Fußballprofi offen schwul lebt. Denn er muss befürchten, durch die Presse gezogen, von den Mannschaftskollegen ausgegrenzt und von den Fans – den eigenen wie den gegnerischen – beschimpft, verhöhnt und ausgelacht zu werden. „Die eigentliche Sexualität wird deshalb“ – so fand die (inzwischen eingestellte) Fußballzeitschrift RUND heraus, „anonym in der Schwulenszene ausgelebt“; ansonsten werden, „um der Norm und dem Idealbild des heterosexuellen Sportlers zu genügen, von Spitzensportlern und deren Clans mühsam und aufwändig konstruierte Doppelidentitäten mit Frauen und Kindern geschaffen“.

Zwar werden die – möglichen und tatsächlichen – Folgen eines öffentlichen Coming-out bezahlter Balltreter mittlerweile auch in auflagenstarken Medien erörtert. Doch die meisten machen um die Frage, warum sich die Homophobie gerade im Fußball weiterhin nahezu ungehemmt austoben kann, zumeist einen großen Bogen. Genau diese Frage soll deshalb im Mittelpunkt des Vortrags von Alex Feuerherdt stehen. Hinzu kommen eine Reihe von aktuellen Fallbeispielen und ein Kurzfilm zur Schwulenfeindlichkeit im Amateurfußball.

Zum Referenten: Alex Feuerherdt ist als freier Publizist u.a. für KONKRET, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel tätig. Er lebt in Köln und war bis 2005 als Schiedsrichter in der Oberliga aktiv.

 

Vortrag 2 (20:30h):

Der Nationalstaat gilt allgemein als tot; Relikte des Nationalismus haben sich nur noch in sehr wenigen Bereichen gehalten, vor allem im Sport. Mit gut 30jähriger Verspätung brach die Diskussion Mitte des Jahrzehnts wieder auf – während der WM 2006 zumal, im Gewand einer Deutschland-Party. Seither wiederholt sich der Eventpatriotismus alle zwei Jahre, zu jedem großen Turnier, begleitet von rituellen Diskussionen darüber, ob es jetzt symptomatisch und schädlich sei, seine Karre zu beflaggen, oder nicht. Ein kurzer Abriss über nationalistische und multikulturalistische Tendenzen im Fußball, gesellschaftliche Konsequenzen und die Frage, was diese Diskussion verschüttet.

Zum Referenten:

Frédéric Valin studierte Deutsche Literatur und Romanistik. Heute lebt er als freier Autor und Kulturveranstalter in Berlin.

 


 

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