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Zur Kritik esoterischen Denkens

15. Februar 2003 – Vortrag und Diskussion mit der Autorin Claudia Barth

Irrationale Welterklärungsmuster verzeichnen seit Jahren enormen Zulauf. Ob es nun die Beschäftigung mit allerlei okkulten Erscheinungen ist, der Glaube an magische und mystische Praktiken, an Astrologie und Wahrsagerei, an Karten legen und »natürliche Heilverfahren«, oder die »Wiederentdeckung« alter »Völker« wie der Indianer, der Kelten und Germanen mit ihrer angeblich natürlichen, spirituellen Lebensweise, der Trend hin zu esoterischem Denken ist seit Beginn der 90er ein Massenphänomen in der Bundesrepublik geworden.
Paradigmatisch für diese Denkmuster ist die Behauptung, individueller wie kollektiver, physischer wie psychischer Art, würden letztlich aus mangelnder Spiritualität resultieren und seien nicht etwa auf soziale Verhältnisse zurückzuführen. Dieser schlichten Diagnose folgt meist der Ratschlag, das Individuum möge einen transzendentalen, größeren Zusammenang erkennen und sich einfügen in eine wahlweise als »höher«, »göttlich«, »natürlich« oder »ganzheitlich« bezeichnete Ordnung. Damit offenbart Esoterik bereits ihre grundsätzliche Feindschaft gegenüber Aufklärung und Emanzipation.Die penetrant verkündeten Ziele der ewigen Harmonie, der Freude und Glückseligkeit sprechen schlichte und sensible Gemüter an, die sich über die reale und unbegriffene Atomisierung der Individuen im Kapitalismus hinwegträumen. Hinter der Fassade jedoch sind rassistische, antisemitische, frauenfeindliche und antidemokratische Ansichten bereits strukturell ebenso angelegt wie Behindertenfeindlichkeit, Antihumanismus und Sozialdarwinismus. Wie spiritistisches Gedankengut bereits dem Nationalsozialismus als Ideologie dienstbar war, so fungiert es auch heute wieder als Transporteur schwarz-brauner Weltbilder.
Auf Einladung der Gruppe »Jugend gegen Rassismus« Sulzbach-Rosenberg wird nun am 15. Februar die Sozialpädagogin und Autorin Claudia Barth zum Thema sprechen. Dabei soll es zunächst darum gehen, sich einen Überblick sowohl über Geschichte als auch heute aktuelle Ausprägungen esoterischen Denkens zu verschaffen, und darum, die Gemeinsamkeiten hinter der esoterischen Vielfalt aufzudecken. Die tief in der Esoterik verwurzelten antizivilisatorischen und antidemokratischen Ressentiments sollen aufgezeigt werden. Besonderes Augenmerk richtet die Autorin dabei auf die für Deutschland spezifische Spielart der Esoterik mit ihrem völkischen Einschlag, die sich bei genauerer Betrachtung hervorragend mit dem leitkulturellen Mainstream wechselseitig ergänzt.
Beginn der Veranstaltung ist um 19:30 Uhr in den Räumen des Jugendclub Bureau im Hafnersgraben 9. Der Eintritt ist frei, da die Gruppe »Jugend gegen Rassismus« finanzielle Unterstützung von der EU erhält.

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