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»Den Staat abschaffen«

07. Juli 2003 – Alt-Anarchist Abel Paz plaudert in der »Hängematte« über »libertären Kommunismus«

Sulzbach-Rosenberg. (vb) »Folkloristische Veranstaltungen« seien die Antiglobalisierungsproteste für ihn. Solche von Abel Paz nebenbei getroffenen prägnanten und nüchternen Einschätzungen überraschten die über 70 Besucher der Hängematte dann doch, die gekommen waren, um eine der letzten Gelegenheiten wahrzunehmen, mit Paz einen Anarchisten zu erleben, der selbst noch aktiv beteiligt war an Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1936 bis 1939.

Bis Paz selber zu sprechen begann, musste das Publikum sich jedoch noch ein wenig gedulden. Denn zunächst wurde ein Film vorgeführt, der hauptsächlich anhand der Person Buenaventura Durrutis, des namhaftesten spanischen Anarchisten, dessen Biographie Abel Paz verfasst hatte, die Geschichte des spanischen Anarchismus und der spanischen Revolution schilderte.

Dabei machte der Film Umfang und Grundsätzlichkeit des anarchistischen Projekts deutlich, es ließ sich begreifen, was unter einer freien Gesellschaft und freien Menschen zu verstehen ist. Diesen Eindruck erweckte schliesslich auch Abel Paz, als er - übersetzt von Helmut Thomas - ebenfalls über den Anarchismus zu sprechen begann. An keiner Stelle waren seine Ausführungen ein nostalgischer Rückblick auf ach so schöne Zeiten, sondern eine konzentrierte Auseinandersetzung damit, was es über die Jahre hinweg heisst, Anarchist zu sein.

So kam Paz zum Beispiel zu der oben erwähnten kurzen Abfertigung der Antiglobalisierer. Und so kam er auch dazu, den Anarchismus – oder wie er ihn bemerkenswerterweise auch nannte: den libertären Kommunismus – leicht verständlich als Aufgabe darzustellen, die sich jedem, der sich dafür entschieden hat, ständig aufs Neue in seinem Leben stelle. 

Dies wiederum hatte bei Paz an keiner Stelle etwas Schwärmerisches, sondern orientierte sich an der »harten Realität«, die immer noch von Herrschaft und Ausbeutung bestimmt sei. Und wer daran etwas ändern wolle, werde sich darauf mit anderen zusammen vorbereiten müssen, den Staat abzuschaffen und sich die Produktion anzueignen. 

Und auch, dass Anarchismus oder Kommunismus manchmal mit Geduld und Zurückhaltung zu tun haben, war bei Paz eigentlich leicht zu verstehen, wobei dies aber bedauerlicherweise nicht bei jedem im Saal angekommen ist, wie sich bei der Diskussion zeigte.

Foto von Abel Paz ›››

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