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Neofaschismus in der Bundesrepublik

21. Juli 2003 – Der Jugendclub Bureau und die Gruppe ARASU zeigen Ausstellung in der »Hängematte«

Als vorerst letzte in einer langen Reihe von Veranstaltungen, die die Gruppe »Jugend gegen Rassismus« in den vergangenen Monaten mit Hilfe von EU-Fördermitteln und in Zusammenarbeit mit dem »Jugendclub Bureau« organisiert hat, wird ab 22. Juli die Ausstellung »Neofaschismus in der Bundesrepublik Deutschland« im städtischen Jugendzentrum Hängematte zu sehen sein. Die insgesamt 27 Schautafeln legen nach Aussage der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes« (VVN), die die Ausstellung konzipiert hatte, besonderen Wert auf die Darstellung der Ideologie des Neofaschismus, ausgehend vom Zentralelement der »Volksgemeinschaft«. Interessierte können sich jedoch ebenso über Strukturen, Zusammenhänge und Hintergründe der Neonaziszene informieren. Dabei stehen aber nicht nur die gewaltbereite Gruppen im Mittelpunkt, vielmehr wird das gesamte Spektrum des Neofaschismus untersucht und analysiert, also rechte Parteien ebenso wie die Musik- und Internetszene, internationale Kontakte gleichermaßen wie die sogenannte »Grauzone«, also die ideologischen wie persönlichen Schnittpunkte zwischen organisierten Neonazis und scheinbar honorigen Organisationen der BRD.
Dies war es auch, was die Ausstellung für die Gruppe »Jugend gegen Rassismus« so interessant machte. »Die VVN vermeidet genau das, was sonst für bürgerliche Anti-Nazi-Projekte so kennzeichnend ist, nämlich die Reduktion der Gefahr des Rechtsextremismus auf das Phänomen gewaltbereiter Stiefelglatzen«, meint ein Mitglied der Gruppe dazu. Dabei werde meist vorsätzlich übersehen, dass rechtsextreme Ideologien in der Bevölkerung der BRD oftmals breite Unterstützung finden. Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus seine keine reinen Erscheinungen der extremen Rechten, sondern nur allzu oft in der sogenannten »Mitte der Gesellschaft« präsent. So kam etwa eine Studie im Auftrag der Universitäten Frankfurt und Leipzig vom Juni 2002 zu dem Ergebnis, dass 36 % der befragten Deutschen es gut nachvollziehen können, »dass manchen Leuten Juden unangenehm sind«, eine Zahl, die sich mittlerweile wohl noch erhöht haben dürfte.
Ob es diese Schwerpunktsetzung der Ausstellung ist, die das städtische Gymnasium veranlasste, seine Räumlichkeiten nicht zur Verfügung zu stellen, darüber kann nur spekuliert werden. Die Veranstalter jedenfalls hätten die Ausstellung gerne in der Schule gezeigt, »weil wir denken, dass der Bekämpfung jeder Art von rechtsextremem Gedankengut gerade an Schulen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.«
Dankenswerterweise konnte allerdings mit der Hängematte schnell ein passender Ersatz gefunden werden.
Und noch etwas bewog die Gruppe dazu, gerade diese Ausstellung zu präsentieren: dass sie nämlich besonderen Wert darauf lege, zu zeigen, dass es nicht nur dringend geboten, sondern auch möglich ist, Widerstand gegen Neofaschismus zu leisten, und dies vor allem abseits von Unterschriftensammlungen und schönen Worten.
Die Ausstellung kann von 22. bis 25. Juli täglich von 15-20 Uhr besucht werden, der Eintritt ist frei.

Plakat zur Ausstellung ›››

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