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»Jugend gegen Rassismus« bleibt aktiv

18. August 2003 – Intensivere Zusammenarbeit mit Jugendclub Bureau

Nachdem mit der Ausstellung »Neofaschismus in der BRD« die vorerst letzte Veranstaltung der Gruppe »Jugend gegen Rassismus« weitgehend erfolgreich über die Bühne gegangen war, traf sich die Gruppe am vergangenen Dienstag noch einmal, um ein Resüme zu ziehen und das weitere Vorgehen zu planen. Insgesamt mehr als ein Dutzend Veranstaltungen zu Themen wie Antisemitismus, Flüchtlingspolitik, Esoterik oder zur Neonaziszene habe man in den vergangenen Monaten mit Hilfe der von der EU bereitgestellten Gelder organisieren können, dazu ein regelmäßiges und breit gefächertes Kino-Programm. Zusammenfassend wurde das Projekt von allen Beteiligten trotz unterschiedlicher Resonanz auf die verschiedenen Veranstaltungen auf jeden Fall als Erfolg gewertet, und zwar aus verschiedenen Gründen: Zum einen sei es gelungen, eine ziemlich große Veranstaltungsdichte zu erreichen und so über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich mit den für wichtig erachteten Themen in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Insbesondere bei Jugendlichen stießen die einzelnen Veranstaltungen auf großes Interesse, was sogar dazu führte, dass sich im Lauf der Zeit einige, die anfangs nicht an der Initiative beteiligt waren, dem Projekt anschlossen, Aufgaben übernahmen und auch am abschließenden Seminar in Deinsdorf teilnahmen. In diesem Zusammenhang werteten die Organisatoren es als großen Erfolg ihrer Arbeit, dass sie Jugendlichen, die in ihrer Kritik an Rassismus, Antisemitismus oder Nationalismus bisher nicht selten isoliert waren, einen Anlaufpunkt und die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, bieten konnten. 
Als enttäuschend wurde allerdings die Resonanz des ebenfalls als Zielgruppe angedachten Sulzbach-Rosenberger »Bündnis gegen Rechts« bewertet. Von dieser Seite seien keinerlei Reaktionen gekommen und die Chance, die Veranstaltungen der Jugendlichen als Möglichkeit einer Diskussion über die weitere Arbeit des Bündnisses zu nutzen, wurde nicht wahrgenommen. »In dieser Hinsicht scheint sich unsere Einschätzung der Initiative als oberflächliche und damit als politische Eintagsfliege bestätigt zu haben«, meinte ein Mitglied der Gruppe dazu. Bei dieser Gelegenheit wurde nochmals darauf hingewiesen, dass bereits bei der Auftaktveranstaltung des Bündnisses am 9. November 2001 im Rathaussaal von etlichen Leuten die Befürchtung geäussert worden sei, dass bloß oberflächliche Lippenbekenntnisse und Unterschriftensammlungen gegen Rechts, ohne die gesellschaftlichen Verhältnisse, welche einen fruchtbaren Boden für rechte Ideologien bilden, wenigstens zu thematisieren, keine tragfähige Basis für eine dauerhafte und wirkungsvolle Arbeit gegen Nazismus, Rassismus und Antisemitismus sein können. Es sei schon erschreckend, »wie schnell ein Großteil des Bündnisses seine Aktivitäten wieder eingestellt hat.«
Angesichts des großen Anklangs bei vielen Jugendlichen könne man damit – bedingt zwar, aber dennoch – leben.
Eine Fortführung des Projektes wurde von allen Beteiligten für sinnvoll erachtet, zum einen, um das Wissen zu den verschiedenen Themen auch gruppenintern noch weiter zu vertiefen, zum anderen werde es als wichtig angesehen, auch weiterhin mit guten und kritischen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit präsent zu sein. »Wir denken, dass durch eine kontinuierliche Weiterführung unseres Engagements noch mehr Jugendliche für einen aktiven Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus gewonnen werden können«, waren sich die Mitglieder einig.
In Anbetracht der enormen Unterstützung seitens des »Jugendclub Bureau«, der jederzeit mit Spenden oder der Bereitstellung von Räumlichkeiten zur Stelle war, aber auch aufgrund weitgehender Interessensüberschneidungen mit dessen Mitgliedern wurde es von einigen allerdings nicht mehr als notwendig erachtet, weiterhin zwei voneinander getrennte Gruppen aufrecht zu erhalten. So überlege man sich, ob zukünftige Aktivitäten stärker als bisher im Rahmen des »Jugendclub Bureau« stattfinden könnten. Neue Ideen für Veranstaltungen gebe es bereits genug, ein weiterer Antrag bei der EU solle auf jeden Fall gestellt werden, so die Jugendlichen.

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