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Kurt Köpruner las und diskutierte im Jugendclub Bureau

20. Oktober 2003 –

Sulzbach-Rosenberg. »Wenn DIE von Frieden reden, dann sollten bei allen vernünftigen Menschen die Alarmglocken schrillen«. Dies war wohl eine der Kernaussagen, die der Autor des Buches »Reisen ins Land der Kriege«, Kurt Köpruner, den anwesenden Zuhörern mit auf den Weg geben wollte. Köpruner war der Einladung des Jugendclub Bureau gefolgt und stellte am vergangenen Mittwoch einige Passagen seines Buches vor. Seit 1990 haben verschiedene berufliche und private Beziehungen den Geschäftsmann Köpruner viele Male in das damals schon zerfallende Jugoslawien geführt, wo er bald merkte, dass die dortige Wirklichkeit so gar nicht dem entsprach, was deutsche Medien zu den Vorgängen berichteten. Anschaulich schilderte er, mit welchem Propagandaaufwand man sich hierzulande bemüht hatte, ein durch und durch einseitiges Bild des Konflikts zu zeichnen: ein Bild vom »großserbischen Vernichtungskampf«, von »serbischen Terrorkommandos« und »serbischem Größenwahn« (die Zitate stammen aus FAZ und Spiegel). Dass es in Kroation selbst nicht selten gerade umgekehrt war, dass dort viele Serben ermordet und vertrieben wurden, »davon war in den deutschen Medien nichts zu lesen«, so Köpruner. Als ein besonders erschreckendes Ereignis nannte er beispielsweise die sogenannte »Dalmatinische Kristallnacht« (diesen Begriff benutzten die Täter in Anlehnung an die Geschehnisse in Deutschland 1938 und mit Stolz tatsächlich!), als am 2. Mai 1991 in der Stadt Zadar 116 serbische Lokale und Wohnhäuser zerstört und niedergebrannt worden waren, und zwar von kroatischen Banden mit Unterstützung der örtlichen Polizei. »Ich konnte das, was mir darüber berichtet wurde, zunächst gar nicht glauben, weil ich dachte, davon hätte ich in Deutschland doch etwas mitkriegen müssen!« Dass dem nicht so war, dass diese Geschehnisse in der deutschen Berichterstattung nicht auftauchten, war aber beileibe kein Versehen, sondern so beabsichtigt, wie Köpruner anhand weiterer Beispiele deutlich machte. Besonders ging er dabei auf das deutsche Interesse an einer Destabilisierung der Region ein: »Ich kann es nicht oft genug betonen: Es war Deutschland, das das damals durch und durch faschistoide Kroatien zuerst als unabhängigen Staat anerkannte. Eine Entscheidung, die direkt in den Krieg führte«. 
Anschaulich schilderte er auch die Propaganda, die 1999 direkt den vorerst letzten Krieg gegen Jugoslawien vorbereitete. Damals seien unzählige Vergleiche zwischen Serben und Nationalsozialisten bemüht worden, um den ersten Kriegseinsatz Deutschlands seit 1945 als humanitäre Mission darzustellen. Nur durch die beschörende Formel von Fischer, Scharping und anderen, es gelte, im Kosovo ein neues Auschwitz zu verhindern, sei dieser Einsatz und damit die Suspendierung einer der letzten Lehren aus dem zweiten Weltkrieg, dass nämlich von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe, möglich geworden. Die heutige Situation im Kosovo freilich lasse die Mission in einem anderen Licht erscheinen. Was kosovo-albanische Nationalisten schon seit mehr als 20 Jahren geplant hatten – ein ethnisch reines Kosovo – , war erst durch den Einsatz der Nato möglich geworden, Serben, Juden, Sinti und Roma und andere Minderheiten gäbe es seitdem kaum mehr in der Region, und die letzten Verbliebenen müssten mit schweren Waffen geschützt werden. Nach und nach seien die Lügen zur Kriegsrechtfertigung als solche entlarvt worden, zu einer veränderten Wahrnehmung des Konflikts habe dies aber kaum geführt. Dabei basierte die hohe moralische Legitimation des Krieges gerade auf diesen Lügen, ohne sie seien aus Hütern der Menschenrechte einfache Mörder geworden.
»Man kann sich gar nicht genug mit dem Zerfall Jugoslawiens beschäftigen, denn das hilft, derartige Absurditäten zu durchschauen«, so Köpruner abschließend. Die anwesenden Zuhörer schienen diese Ansicht zu teilen, wie die zahlreichen Fragen zum Thema zeigten.

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