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»Zuhörer diffamiert und eingezwängt!«

20. März 2004 – Dokumentation eines Leserbriefes in der SRZ

»Also, bitte, was war jetzt das?! Da geht man zu einer Veranstaltung, die in der Zeitung als Kritik an Bert Hellinger und dem Familienstellen tituliert wird in der Annahme, dass man wirklich Anregungen zum Nach- und kritischen Weiterdenken über die äußerst populäre Bewegung des Familienstellens nach Bert Hellinger bekommt, die sicher seriöse Kritik verdient. 
Aber was erlebt man? Da wird von einem, der sich als rational, wissenschaftlich bezeichnet und als Professor für das Fach Psychologie vorstellt, ein gewisser Dr. Weber, ein Aufsatz wortwörtlich vorgelesen, den man als interessierter Beobachter der Szene eh aus der einschlägigen Literatur kennt. 
Gespickt mit Zitatenfetzen, die aus dem Zusammenhang gerissen sind und ohne nähere Erläuterung über den Kontext wirklich bedenklich wirken, das Ganze vermischt mit verächtlichen, überheblich wirkenden flapsigen Kommentaren, um sich auch kleiner Lacherfolge zumindest bei weniger informierten Zuhörern sicher zu sein.
›Hellinger und Konsorten‹ würden ja äußerst empfindlich auf Kritik reagieren, ja überhaupt keine aufkommen lassen, so hört man, um dann völlig verblüfft zu erleben, dass bei der ersten kritischen, aber sachlichen Fragestellung nach dem Referat der Fragesteller sofort aggressiv, plötzlich gar nicht mehr so rational angefahren wird, dass er so ein ›typischer Hellingianer‹ (was bitte, ist das?) sei, so moralisch (?), überhaupt nicht richtig zuhören könne usw. usw. 
Wie war das bitte mit den Vorwürfen im Hinblick auf Kritikannahme bei Hellinger und ›Konsorten‹? Und wo bleibt die rationale Souveränität und nüchterne Wissenschaftlichkeit, wenn Zuhörer schon nach wenigen Sätzen vom Referenten in eine Schublade eingezwängt, ja diffamiert werden, als ob sie geistig minderbemittelt wären. 
Wie er überhaupt in einer fast peinlich arroganten Weise sich besser und klüger weiß, als alle, die da in Scharen zu den Veranstaltungen von Hellinger ›und seinen Jüngern‹ gehen und eigentlich nur glauben, dass es ihnen besser gehe, weil eben keiner gern zugebe, dass er viel Geld bezahlt habe und es doch nichts genützt hätte. 
Was hätte auch Hellinger wirklich Gutes getan? Er wisse nichts. Auf die Frage, mit wie vielen Betroffenen er gesprochen hätte, antwortet Dr. Weber. ›Mit keinem‹! Er brauche das nicht. 

Bitte, das nächste Mal, ladet doch jemanden ein, der wirklich dazu dient, Informationen so an die interessierten Zuhörer zu bringen, dass Wesentliches und Nachdenkenswertes über Bert Hellinger und seine Bewegung zur Sprache kommt und auch angenommen werden kann, und der nicht mit seiner eigenen Unausgegorenheit im Wege für sachliche Auseinandersetzung steht. Er verdient bessere und sachlichere Kritiker. Wie lautet ein Wort von Bert Hellinger: ›Ich werde dem ähnlich, was ich ablehne‹. Da scheint was Wahres dran zu sein.«

Sebastian Sonntag
Dipl.-Psychologe

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